HFF on Tour: German Comic Con Dortmund 2016

10. Dezember 2016


Vom 02. - 04. Dezember fand in Dortmund die German Comic Con statt. Da wir in diesem Jahr bereits die German Comic Con Berlin besucht haben und Dortmund für uns quasi um die Ecke liegt, wollten wir uns das Event natürlich nicht entgehen lassen. Im heutigen Beitrag erfahrt ihr, was wir an dem Wochenende erlebt haben und wie es uns gefallen hat.

Aufgrund unserer Erfahrungen auf der German Comic Con Berlin kamen wir mit wenigen Erwartungen am Freitagmittag an der Westfalenhalle an, in der am Wochenende die German Comic Con stattfand. Bereits in Berlin waren wir von der Organisation nicht begeistert gewesen und haben von anderen Besuchern erfahren, wie die German Comic Con Dortmund im letzten Jahr abgelaufen war. Auch, dass im Vorfeld einige besonders beliebte Stargäste gecancelt wurden, trug nicht gerade zu viel Optimismus bei, denn für uns gab es an diesem Wochenende eigentlich kaum einen Stargast, der uns interessierte.
So konnten wir jedoch die Zeit nutzen, uns die Convention genauer anzusehen. Der Einlass ging sehr schnell, denn am Freitag war der Andrang nicht besonders groß. Wir bekamen schnell, die in Berlin so vermissten, Bändchen für Wochenendticketinhaber und gleich darauf folgte der Waffencheck. Die Mitarbeiter dort überprüften die Waffen teils eher halbherzig. J bekam beispielsweise ohne Weiteres den Sicherheitssticker zum Einlass auf ihren Baseballschläger geklebt, während bei Ls Bogen genauer geguckt wurde. Die Mitarbeiter dort waren teils freundlich und teils eher nicht. Manche gingen direkt auf Konfrontation, weil ihnen etwas nicht passte, obwohl man sie nicht verbal angegangen hatte - so wurde L dort auf penetrante Art gedroht und der Mitarbeiter verschusselte sogar den roten Sicherheitssticker für ihren Bogen, während J mit Gummibärchen durchgewinkt wurde. 


Drinnen mussten wir uns erst einmal orientieren. Es gab mehrere Hallen zur Auswahl, jede hatte eine besondere Thematik. Während Halle 3A ausschließlich für die Photoshoots gedacht war, gab es in Halle 3B die Autogrammstände der Stargäste. Hier hatte sich nicht viel verändert im Vergleich zu Berlin: Die Stargäste saßen in einer Reihe nebeneinander und konnten angestarrt werden, wie die Tiere im Zoo.
In der Halle gab es außerdem einige Merchandise-Stände, sowie Foto-Optionen mit der TARDIS aus Doctor Who, dem Tumbler aus Batman oder dem DeLorean aus Zurück in die Zukunft, die wir auch schon aus Berlin kannten. Halle 4 befasste sich mit dem Thema Cosplay. Dort gab es sehr viele Händlerstände, die zum Beispiel Perücken und Waffen (mit spitzen Waffen kam man übrigens nicht rein, doch spitze Waffen vor Ort kaufen - kein Problem!) verkauften. Außerdem gab es dort die Cosplay-Stage, deren Programm jedoch nur rar besucht wurde. Auch uns sprach das Programm dort gar nicht an, weshalb wir immer lediglich an der Bühne vorbeigingen und von den dortigen Gesangseinlagen eher genervt waren. 


Halle 5 war den Comics gewidmet. Im Gegensatz zu Berlin konnte man hier auch tatsächlich Comics kaufen, was uns natürlich gleich positiv auffiel und zu loben ist. Man konnte insgesamt wahnsinnig viel Merch erwerben, sodass sich einige Stände zu wiederholen schienen, andere, wie beispielsweise der ADAC, absolut falsch am Platz waren. Hervorzuheben sind die kreativen Illustratoren-Stände, die einzigartig waren. Auch in dieser Halle gab es eine Bühne mit Vorträgen rund um Comics oder Autorenlesungen, doch leider war die Bühne so sehr in die hinterste Ecke gedrängt, dass man ihr kaum Beachtung schenkte. Die Comic-, sowie die Cosplay-Bühne hätte man sich theoretisch leider auch sparen können.
Für die Main Stage gab es eine gesonderte Halle. Dort waren einige Stuhlreihen aufgestellt und sogar eine Tribüne mit weiteren Sitzplätzen war vorhanden. Der Platz reichte jedoch lange nicht für jedermann, so dass einige Leute in den Gängen stehen mussten. Auf Fluchtwege wurde hier nicht geachtet, die Leute standen also weiterhin in den Gängen, wo gerade Platz war. Und das, obwohl es zwischendrin noch einzelne freie Sitzplätze gab. Auch die gesonderten, ungenutzten Plätze für VIP-Ticketinhaber hätte man freigeben können, damit mehr Menschen die Gelegenheit hatten, den Panels sitzend zu lauschen.


Da die Convention am Freitag nur sehr wenig besucht war, hatte man definitiv die Möglichkeit, sich alles genau anzusehen. Am Samstag dagegen war es am vollsten. Doch vielen Besuchern machte bereits die Anreise Schwierigkeiten, denn es gab Staus aufgrund des Fußballspieles, das unmittelbar neben der Westfalenhalle stattfand. Dafür können die Veranstalter jedoch nichts, denn auf die Spielansetzung, die erst wenige Wochen zuvor stattgefunden hat, haben sie keinen Einfluss. Da jedoch auch in Halle 1 am Nachmittag eine Veranstaltung stattfand, waren die Parkmöglichkeiten sehr eingeschränkt. Wir hatten Glück, dass J ortskundig war und wusste, wo man in der Nähe noch parken konnte. So sparten wir auch gleich die 7€ Parkgebühren, die auf dem Parkplatz an der Halle fällig geworden wären.

Wir waren noch beflügelt davon, einen kostenlosen Parkplatz ergattert zu haben, da traf uns dann auch schon der Schlag, als wir die Warteschlange sahen. Wir hatten erwartet, dass es für Tagestickets und Wochenendtickets gesonderte Eingänge gab, doch wie sich herausstellte, mussten alle denselben Eingang benutzen. Da erschien uns unser schönes Bändchen, das wir am Vortrag bekommen hatten, sinnlos. Und so standen wir gut eine Stunde draußen in der Kälte und mussten sogar noch aufpassen, dass wir nicht noch ausrutschten, weil es so glatt war und nicht gestreut wurde. Wir hatten zwar mit Wartezeiten gerechnet, doch die Besucher eine Stunde in der Kälte draußen stehen zu lassen, erschien uns schon dreist. Wir hatten nur Glück, dass es nicht noch anfing zu regnen.


Wir waren sehr froh, dass wir uns bereits am Freitag die Convention angesehen hatten, denn das war aufgrund der Massen nun nur noch eingeschränkt möglich. Worauf wir am Samstag besonders gespannt waren, war der Cosplay Contest. Besonders der Preis, nämlich eine Elna Lotus Nähmaschine für 800€, hatte uns vorab schon sprachlos gemacht. Die Teilnehmer des Wettbewerbs konnten unterschiedlicher nicht sein, was an sich gut war, jedoch gab es viele Teilnehmer, die eher in den Gaming-Bereich als in den Comic-Bereich gepasst hätten. Bei der Organisation konnten wir nur den Kopf schütteln: es gab Patzer bei der Musik und auch bei der Siegerehrung lief nicht alles glatt. Niemand wusste so richtig, was für Preise an den zweiten und dritten Platz verliehen wurden und so wurden Cosplayflex Pebbles von der Jury (übrigens selbst Cosplayer) als "komische Kügelchen" bezeichnet. Das kam uns irgendwie bekannt vor... Auch am Sonntag, wo doch genug Zeit war, sich darüber zu informieren, hieß es wieder nur: "Das Zeug, das dazu gehört". Das wirkte schlichtweg unprofessionell. Ebenso fragwürdig erschien es uns am Samstag, dass zwei Personen eine einzige Nähmaschine gewannen. Wir fragten uns sogleich, ob sie sich diese teilen sollten? Dass dazu auch noch genau diejenigen die Nähmaschine absahnten, deren Cosplays rein "gebaut" und nicht genäht waren, fanden wir ebenfalls nicht durchdacht. 

Was uns am Samstag besonders ärgerte, war, dass das Panel von Andrew Lee Potts und Hannah Spearitt von ursprünglich zwanzig Minuten auf zehn gekürzt wurde, nur damit danach David Hasselhoff sein Panel abhalten konnte. Dass dieser jedoch 45 Minuten auf sich warten ließ, erfuhren wir erst am Sonntag. So hätte man das vorherige Panel gar nicht erst kürzen müssen, was uns gegenüber den beiden Stargästen auch sehr unfair erschien, zumal wir ihnen gerne noch länger zugehört hätten. Auch erfuhren wir noch, dass einige Gäste gar nicht erst zu ihren Arbeitszeiten erschienen und Fotostrecken spontan auf der Con abgesagt wurden (wie das Baywatch-Shooting). Pamela Anderson kam übrigens drei Stunden zu spät zu ihrem Fototermin, was bestimmt viele Besucher ärgerte. Über die Foto-Situation können wir dieses Mal leider nicht berichten, da wir aufgrund der chaotischen Situation in Berlin das Risiko nicht eingehen wollten.


Am Sonntag waren die Hallen zwar voller als am Freitag, jedoch war es gesamt weniger besucht als am Vortag. Der Einlass ging schneller, jedoch gab es immer noch die Problematik vom Vortag, dass Tagestickets und Wochenendtickets denselben Eingang nehmen mussten. So standen wir dennoch zwanzig Minuten in der Kälte und waren auch da froh, dass es sonnig war und nicht regnete.

Dass nicht so viel los war, merkte man, sobald man die Hallen betrat, denn es war deutlich leerer als am Samstag. Wir nutzten die Chance, uns noch einmal an den Händlerständen umzusehen und die eine oder andere Kleinigkeit zu kaufen. Auch den Cosplay Contest - hier muss definitiv gelobt werden, dass die Jury wechselte und Entscheidungen eher nachvollziehbar waren (es gewann jemand eine Elna, der auch tatsächlich viel genäht hatte) - und zwei Panels sahen wir uns an. Im Vergleich zu den anderen Tagen verflog die Zeit allerdings sehr schnell, was vielleicht daran lag, dass bereits um 17 Uhr verkündet wurde, dass die German Comic Con nun vorüber war.

Rückblickend müssen wir sagen, dass wir uns auch auf dieser Convention sehr über die nicht vorhandene Organisation geärgert haben. Es fing beim Einlass an, dazu kamen gecancelte Panels oder Verzögerungen im Ablauf. Auch hier wirkte die Organisation alles andere als professionell. Mitarbeiter schienen schlichtweg nicht richtig instrumentalisiert, wobei sie definitiv besser vorbereitet wirkten, als in Berlin.
Positiv war, dass die Convention auf viele Hallen verteilt war und man nirgendwo das Gefühl hatte, eingeengt zu sein. Man konnte sich frei bewegen und es wirkte nicht überfüllt. Auch das Angebot an Merchandise und Comics war viel ausgeglichener, als wir es in Berlin erlebt haben. Das gefiel uns auf jeden Fall besser. Die Panel-Situation an der Main Stage war durchdachter, aber schlichtweg einfach gefährlich durch das Blockieren der Gänge. Man hätte vielleicht besser die ganze Halle ausgenutzt, als nur einen Hallenteil.
Was wir uns noch gewünscht hätten, wären ein paar Sitzmöglichkeiten. Zwar konnte man an den Gastronomiebuden sitzen, wenn man sich etwas zu essen gekauft hatte. Auf den Fluren zwischen den Hallen gab es auch kleine Sitzreihen mit fünf Sitzen, doch sonst gab es keine Möglichkeit, sich mal fünf Minuten zu setzen, um einen kleinen Happen zu essen, wenn man nicht gerade ein Panel besuchte. Deswegen saßen auch sehr viele Besucher auf dem Boden, was nicht gerade zu einer gemütlichen Atmosphäre einlud.

Alleine weil wir viele Bekannte und Freunde wiedertrafen und mit Philip vom Buchblog Book Walk unterwegs waren, hatten wir dennoch viel Spaß. Wir amüsierten uns natürlich besonders in unseren Cosplays und kamen auf diese Weise mit vielen Besuchern in Kontakt. Das Angebot an Kostümen war, vor allem am Samstag, hochragend. Freitag und Sonntag musste man schon wirklich gut die Augen aufhalten, um einen Cosplayer in der Menge zu sehen. Qualitativ waren wir dennoch sehr beeindruckt! 

Unserer Meinung nach gibt es noch einiges zu verbessern und wir hatten leider das Gefühl, dass die Veranstalter sich die Kritik von der Convention in Berlin nicht gänzlich zu Herzen genommen haben. Es wirkt an manchen Stellen, als ginge es bloß um Kapital, ohne dabei etwas zu bieten. Wir hätten uns beispielsweise sehr über Workshops talentierter CosplayerInnen oder ZeichnerInnen gefreut. Wir hoffen, dass die Kritiken der Besucher Gehör finden und die nächste Convention besser organisiert wird.

Danke an Philip, der uns alle hier verwendeten Fotos zur Verfügung stellte!




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2 Kommentare

  1. Hach, wie schade :(
    War ja kurz davor gewesen am Samstag noch hochzuhuschen nach Dortmund, da ich spontan frei hatte. Nun bin ich froh, es nicht gemacht zu haben. Dass die Kritik nicht angenommen wird, habe ich auch schon gehört, vor allem im Vergleich zum Stuttgarten Orga-Team, was jetzt nächstes Jahr die Chance hat ihre Besserungen zu zeigen.
    Aber wenigstens hattet ihr Spaß :)

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    1. Ja, Spaß hatten wir auf jeden Fall! Wir sind gespannt, ob die Kritik für dieses Jahr besser ausfällt.

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