HFF on tour: Curvy - International Curvy Fashion Fair

15. Juli 2015

Während sich viele Fashion Blogger in der letzten Woche auf der Berliner Fashion Week rumtrieben, habe ich mich mit Nischenmode beschäftigt, die viel mehr Aufmerksamkeit verdient: Plussize. In vielen Kreisen ein böses Wort oder ein Schattenfleck der Fashionwelt, ist Plussize Fashion ein Thema, das mich persönlich betrifft und interessiert, weswegen ich umso mehr erstaunt war, dass dieses Wort kaum angesprochen wurde. Was ich Auf der Curvy für Eindrücke gewinnen konnte erzähle ich euch im heutigen Beitrag.

Durch einen wilden Zufall bin ich auf die International Curvy Fashion Fair - Curvy -  aufmerksam geworden und war begeistert zu sehen, dass ich als Fashionblogger zu den Fachbesuchern gehöre, die dieses exklusive Event besuchen dürfen. Dass das Event zufällig in den Zeitraum fiel, in dem ich sowieso in Berlin war, um meine Freundin Laura zu besuchen, hat dazu geführt, dass ich uns prompt registrierte und mich näher über das Event informierte.

Die International Curvy Fashion Fair fand zum fünften Mal in Berlin statt und bildet die größte Plattform für Über- und Anschlussgrößen Deutschlands. Genau diese Inbetweenies sind ein wichtiges Publikum, das bisher kaum angesprochen wurde. Frauen mit Zwischengrößen, die sich weder in der konventionellen Boutique, noch beim Spezialisten für Übergrößen aufgehoben fühlen.
Auf der Messe waren über 50 Aussteller, zum Teil bekannte Marken, aber auch kleinere Labels und Speziallinien von großen Firmen. Eine der in Deutschland wohl bekanntesten Übergrößen Labels Ulla Popken hatte in der Nebenhalle sehr viel Platz gebucht, da sie auch mit ihrem jüngeren Label Studio Untold anwesend waren. Auch Sheego und Zizzi glänzten mit großen offenen Flächen und ansprechend präsentierter Mode. Marken wie Gerry Weber zeigten ihre Plussizelinien und viele Independent Labels priesen One-Size-Fits-All-Konzepte.


Allgemein ist die Curvy eher eine Messe für Einkäufer und Fachhändler, sodass ich als Blogger nicht der Hauptzielgruppe entsprach und relativ wenig Aufmerksamkeit bekam. Allerdings fand ich das nicht so schlecht, da ich so die Markenvertreter neutral beobachten konnte und mir ein Bild von der Marke und ihrer Mode machen konnte ohne das Gefühl zu haben, ein Verkaufsgespräch zu führen. Meinem Empfinden nach waren sich nur wenige Labels der Macht des viralen Marketings durch Blogs bewusst, sodass ich an vielen Ständen ignoriert oder sogar komisch angeguckt wurde. Meiner Meinung nach ist das ein Fauxpas der sich immer noch zu sehr durch die Geschäftswelt zieht, dass junge und/oder andersaussehende Menschen als unseriös abgeschrieben werden, obwohl man nichts Genaueres über sie weiß. Laura und ich hätten genauso gut junge Unternehmerinnen sein können, die nach Labels für ihre Boutique suchen oder Redakteurinnen bei einer Zeitschrift oder Kinder reicher Eltern, die eine neue Marke suchen, die sie pushen können. In dem Bereich sind auch die Schöpfer der Modewelt irgendwie Dienstleister, die ihren potentiellen Kunden entgegen kommen sollten.

In der Haupthalle liefen wir also hauptsächlich durch en Mittelgang, von wo aus ich einige Bilder der Kleiderstangen und Poster machte, doch kamen kaum ins Gespräch. Am Stand von Transparente konnte ich zufällig ein paar Worte mit der Designerin über verwendete Stoffe und eigens kreierte Muster wechseln, doch ich hatte auch hier das Gefühl, dass sie lieber mit jemand anderes gesprochen hätte. Eine Designerin bei Elle Emme Couture mochte meinen Fascinater so sehr, dass sie uns ihre selbstkreierten anprobieren ließ (leider wurde das Foto von mir nichts, da Laura sich mit meiner Kamera nicht gut auskennt), obwohl sie vermutlich sehr genau wusste, dass wir nicht ihre Zielgruppe sind. Mit einem großen Danke und vielen freundlichen Lächeln auf allen Gesichtern zogen wir weiter. Als ich ein Shirt an einem Stand von Lady XL - moda italinana fotografierte, konnte ich im Anschluss ein Gespräch in Englisch mit dem italienischen Besitzer führen, bei dem sich herausstellte, dass es die Mode nur für Großhändler zum Weiterverkauf gibt und auch beim reizenden Label Zauberalm mussten wir feststellen, dass manche Marken die Messe tatsächlich erst zum Startup benutzen und noch nicht für den Otto-Normalverbraucher erreichbar sind - dabei hätte ich so gerne eines ihrer "I kiss better than I cook"-Shirts gehabt.

Wir hielten uns sehr viel im Nebenzelt auf, weil die Atmosphäre dort freundlicher und offener war. Dort entdeckten wir auch zufällig Rolf Schneider, der sich gerade mit einigen Modevertretern unterhielt, doch wir ließen ihn selbstverständlich in Ruhe. Die dort vertretenen Labels sprachen uns sofort an und ich würde deswegen gerne etwas mehr von ihnen erzählen:

Der erste Stand der unsere Blicke auf sich zog, war der von Studio Untold. Die junge frische Mode faszinierte uns sofort und auch der große offene Stand sah sehr einladend aus. Wir erfuhren schnell, dass das Label eine Tochter des Moderiesen Ulla Popken ist und dass die neue Kollektion in Kooperation mit Plussize Fashionbloggern in einem Workshop entstanden ist, die auch selbst als Models eingesprungen sind. Unter dem Motto "my story - write your own" werden die Bloggerinnen und die Philosophie des Labels vorgestellt, das zur Zeit exklusiv online vertreten ist. Es werden Größen von 42-54 angeboten und die Preise sind sehr erschwinglich. Definitv ein eine tolle neue Adresse für mich!

Auch das Mutterlabel Ulla Popken konnte mit offener, freundlicher Atmosphäre und Mode punkten, die unerwartet stylisch in Szene gesetzt wurde. Ich muss zugeben, dass ich bisher vorurteilsbelastet an dieses Label heran gegangen bin, weil in dem kleinen Laden bei uns in der City bloß "bunte Zelte" im Außenschaufenster hingen und ich die Zielgruppe immer für Frauen im fortgeschrittenen Alter gehalten habe, aber die Showpieces zeigen, die Marke kann auch anders! In den Laden in der Stadt werde ich in Zukunft wohl trotzdem nicht gehen, aber auf der Internetseite habe ich schon ein paar Schätze gefunden.

Gleich gegenüber fanden wir einen großen Stand von einer uns noch unbekannten Marke: Manou Lenz. Wie wir von einer freundlichen Mitarbeiterin erfuhren, ist das Label durch Manous Wunsch entstanden, ein Kleid für Sonja Zietlow zu kreieren und wuchs seitdem ständig. Uns haben besonders die Taschen fasziniert, so dass wir am Ende sogar jeder eine bestellten und nun bald stolze Besitzerinnen einer Designer-Handtasche sind. Auch die Modekollektion war sehr farbenfroh und detailorientiert, getreu ihrem Motto "Mode für Frauen, die sich zeigen wollen". Tolle fließende Tunikas, bestickte Jeansjacken und komplizierte Applikationen bereichern ein Sortiment von eleganten Blusen und Röcken für jede Gelegenheit. Die Marke wird durch einen eigenen Teleshopping Kanal vertrieben, sowie über die Homepage.

Im Nebenzelt fand auch zweimal täglich eine Modenschau statt, auf die wir gespannt warteten. Mit Sekt, Fruchtsäften und selbstgemachtem Smoothie-Eis von n'ice pops (die leider noch keine eigene Internetpräsenz hat), wurde die Wartezeit angenehm überbrückt. Die Modenschau zeigte zehn der anwesenden Labels mit jeweils drei bis fünf Looks an fünf wunderschönen Plussizemodels. Da ich wenig Erfahrung mit dem fotografieren einer Runwayshow habe und unsere Position am Rand nicht die Beste war, entschuldige ich mich für die teilweise schlechten Aufnahmen, aber da ich von manchem Looks nur ein einziges Bild erhaschen konnte, wollte ich sie euch trotzdem nicht vorenthalten.


Nach der Fashionshow sind wir dann auch wieder nach Hause gegangen, weil wir das Gefühl hatten alles gesehen zu haben und wir genug hatten von den merkwürdigen Blicken der Anzugträger. Alles in allem war es aber ein sehr schöner Tag mit tollen Eindrücken in die Trends der kommenden Saison. Auch wenn ich prinzipiell die Unterscheidung von "normal" und "plussize" nicht gut finde, bin ich doch froh, dass durch die Curvy ein bisschen mehr Licht auf die Schattenwelt der Übergrößen geworfen wird und mehr Menschen sehen, dass man auch mit etwas mehr Gewicht stylisch aussehen kann.

Wart ihr auch schonmal auf einer Modemesse - vielleicht sogar auf der Curvy? Wie sind eure Eindrücke von solchen Veranstaltungen? Sind wir als Blogger tatsächlich "Fachbesucher"?




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